Zeit der Kannibalen

Freitag
08. November
2019
20:00 Uhr

Eine schwarze Komödie über den Kapitalismus
nach dem gleichnamigen Film von Johannes Naber und Stefan Weigl
Regie: Marc Becker, Schauspiel: Marie-Luise Gunst, René Schack, Dieter Hinrichs, Dramaturgie: Frauke Allwardt
Die stark stilisiert inszenierte, kammerspielartige Kapitalismus-Satire spielt im Milieu global agierender Wirtschaftsberater. Öllers, Niederländer und ihre junge Kollegin Bianca März sind Unternehmensberater. Sie sind im Auftrag der „Company“ unterwegs, um die Gewinne ihrer Kunden in Schwellen- und Entwicklungsländern zu maximieren. Obwohl sie skrupellos über Schicksale von Firmen und Menschen in diversen Regionen der Welt entscheiden, machen sie keinen Schritt in die Wirklichkeit dieser Länder. Sie verlassen ihre Hotelzimmer nie.
„Zeit der Kannibalen" seziert bitterböse die Neurosen der Optimierungsgesellschaft und wirft dabei einen rasanten, satirischen, witzigen und zynischen Blick auf diese Welt und kann sie dadurch um so mehr entlarven. Eine schwarze Komödie, bei der viel gelacht werden darf und in der viel Potential zum Nachdenken steckt. Die messerscharfen, sarkastischen Dialoge schwanken zwischen schlagfertigem Humor, diskriminierenden Äußerungen allen möglichen Menschen gegenüber und blankem Zynismus. Die Innenwelt dieser Repräsentanten eines ungehemmten Kapitalismus ist stellenweise so grotesk nach außen getragen, dass sich im Surrealen die Wirklichkeit einer von der Wirtschaft dominierten Gesellschaft spiegelt.
Trotzdem sind die Hauptfiguren in „Zeit der Kannibalen“ alles andere als eindimensional, keine reinen Abziehbilder einer fiesen Heuschrecke. Sie ergreifen jede Gelegenheit, in die Vollen zu gehen, und lassen dennoch Raum für Zwischentöne. Ihre Charaktere sind nicht einfach Knallchargen; sie sind schwache Menschen, die mit einer beständigen, geradezu panischen Angst vor Statusverlust und Absturz leben. Jede Figur hat unerwartete und - trotz der zynischen Betrachtung der Beraterwelt - sogar menschliche Seiten und zumindest ein kleines, eigenes privates Leben, mit denen sich die Protagonisten bisweilen gegenseitig überraschen. Alle drei haben ihre Abgründe, ihre Empfindsamkeiten, ihre Vergangenheiten und ihre ursprünglich einmal idealistischen Motive zwischen NGO, Krötensammeln und Grünen-Mitgliedschaft. Alle tun das, was sie tun, weil sie „etwas tun wollten“ und „nun sind sie da, wo sie jetzt eben sind und verdienen schließlich jede Menge Kohle. Why not?“. Der Text dieser verdichteten Groteske ist grell, absurd und comedyhaft überzeichnet, gleichzeitig aber von einer fast melodramatischen Tiefe. Dabei wird der Finger nicht nur auf die Wunde gelegt, sondern er bohrt tief darin. Der Autor Johannes Naber bringt es auf den Punkt: „Der Zustand des entfesselten Kapitalismus wurde in den letzten Jahren hinlänglich beschrieben, der Wille zur Regulierung ist gesellschaftlicher Konsens. Und doch herrscht Starre. Die Politik kann sich trotz besseren Wissens aus der Umklammerung der Wirtschaft/Finanzmärkte nicht mehr befreien. Diesem absurden Zustand kann man nur mit einem absurden Stück begegnen.“
´Zeit der Kannibalen´ ist kein deutsches Betroffenheitsstück, sondern hier dekonstruiert Naber nicht nur seine Figuren, sondern auch unsere Optimierungsgesellschaft. Und öffnet im Finale die Türen des Luxus-Kokons für das Chaos der Welt.“ (ZEITonline)

Gefördert vom Land Niedersachsen und der Stadt Oldenburg
Eintritt: 25 €/ermäßigt 13 €

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