COVERGIRL

Donnerstag
11. Februar
2016
20:00 Uhr

Wie Lynndie England dazu kam, das böse Amerika zu verkörpern

von Barbara Herold

Im Frühjahr 2004 gingen die Fotos der Folterer aus dem irakischen Militärgefängnis von Abu Ghraib um die Welt. Darauf zu sehen sind irakische Häftlinge, wie sie gedemütigt und gequält werden. Darauf zu sehen sind auch die Täter, amerikanische Soldaten der Militärpolizei, die lachend in die Kamera schauen, als handele es sich um Souvenirfotos. Sinnbildlich für sie alle aber steht vor allem das Gesicht Lynndie Englands. Ihr Foto ging um die Welt und ist Geschichte geworden: Lynndie mit einem Häftling an der Hundeleine. Mit diesem Stück gelingt es der Autorin Barbara Herold in einem Balance-Akt zwischen Rechtfertigung und gnadenloser Anklage Lynndie zwischen Monster und Mensch gleichgewichtig zu betrachten. Ihr gelingt es ebenfalls anhand dieser individuellen Geschichte den Wahnsinn von Krieg, Gewalt und Machtmissbrauch sehr nah an das Publikum heranzuführen und ungewöhnliche Blickwinkel zuzulassen, indem sie dem „Monster“ Lynndie eine Stimme gibt: So erfährt das Publikum nach und nach von einer amerikanischen Kindheit und Jugend in einem Trailerpark in West Verginia, unerfüllten Träumen, einer Miltärzeit mit Einsatz Irak als 21-Jährige, dem Verhältnis mit dem viel älteren „Shithead“ und dem Sohn Taylor, gezeugt im Krieg...
Unter der Regie von Dieter Hinrichs und der Dramaturgie von Frauke Allwardt verzahnen sich die Genres Schauspiel (Marie-Luise Gunst), Klang/Musik (Axel Fries) und Interaktive Projektion/Video Kunst (Leander-Valentin Rössler) zu einem außergewöhnlichen Theatererlebnis.

Gefördert von: dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen, der Oldenburgischen Landschaft mit Mitteln des Landes Niedersachsen und der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherung Oldenburg

Regie: Dieter Hinrichs
Dramaturgie: Frauke Allwardt
Schauspiel: Marie Luise-Gunst
Live-Musik/Klang: Axel Fries
Interaktive Projektion/Video Kunst: Lander-Valentin Rössler
Bühne: Dieter Hinrichs
Bühnenbau: Manfred Vahlenkamp
Licht: Dieter Hinrichs
„theater hof/19 brilliert mit Solo Covergirl ...70 atemlose Minuten ... starke Schauspiel-leistung ... geht unter die Haut ...gelungene Regie, richtig gut gemacht! ...“ (NWZ 17.10.15)
Eintritt 23 Euro / 11 Euro ermäßigt